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Peter Singer's Gleichheit und ihre Implikaturen
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1 Interessenabwägung?
Ableitung eines Gleichheitsprinzips
Peter Singer leitet aus dem induktiv
gewonnenen universalen Standpunkt ab, dass ein
Gleichheitsprinzip Grundlage einer ethischen Theorie sein muss. Er hat
jedoch mit seinem Argument die Absicht
einen utilitaristischen Standpunkt
zu begründen [1], insbesondere seinen Standpunkt eines
am
Interessenbegriff
orientierten Utilitarismus. Dies kann sein Argument nicht leisten.
Singer schreibt:
- "Meine Begründung für diese Behauptung ist folgende:
Indem ich akzeptiere, dass moralische
Urteile von einem universalen Standpunkt
aus
getroffen werden müssen, akzeptiere ich, dass meine eigenen Interessen
nicht
einfach deshalb, weil sie meine Interessen sind, mehr zählen als die Interessen
von
irgend jemand anderm. Daher muss, wenn ich moralisch denke, mein ganz
natürliches Bestreben, dass für meine Interessen gesorgt wird,
ausgedehnt werden auf die Interessen anderer." [2]
Frage nach dem Verglichenen
Singer scheint seiner vorschnellen Ableitung des Prinzips der Interessenabwägung
selbst nicht zu trauen. So fragt er an späterer Stelle nach dem Verglichenen,
nach
dem, worin die Menschen einander gleichen [3].
Singers Suchstrategie
Auf der Suche nach dem, worin die Menschen einander gleichen, verwendet Singer
eine Ausschlußstrategie. Er weist drei
Thesen über die Gleichheit
zurück, um dann die Gültigkeit seiner These zu postulieren.
These 1: Identität der Menschen
Offenbar sind die Menschen einander nicht identisch, einige sind groß,
andere klein,
einige gut in Mathematik, andere schlecht [4].
These 2: Gleichheit durch moralische Persönlichkeit
(Rawls)
Nach Rawls ist "moralische Persönlichkeit" die Basis der
Gleichheit [5] und eine Bereichseigenschaft
[6].
Der Begriff der Bereichseigenschaft ist eine
überflüssige Begriffsbildung, denn von fast jedem
Begriff wird gesagt,
dass er einen Inhalt hat und nichts anderes
besagt der Begriff der
Bereichseigenschaft wie ihn Singer rekonstruiert [7].
Singers Gegenargumente:
- moralische Persönlichkeit zu besitzen, ist keine Bereichseigenschaft,
sondern
eine graduierbare Eigenschaft [8].
- wie ist es mit Säuglingen, Kleinkindern und geistig behinderten
Menschen? [9] "Rawls behandelt Säuglinge und Kinder
in der
Weise, dass potentielle moralische
Personen zusammen mit wirklichen
dem Bereich des Gleichheitsprinzips zugehören." [10]
Das erste Gegenargument ist ein Scheinargument, da in der fuzzy set-theory Gleichheit
auch für fuzzy sets, und damit für graduierbare Eigenschaften, rekonstruiert
werden konnte [11].
Interessanter ist das zweite Argument, hinter dem die Behauptung steckt, dass
es
keine brauchbaren Zuschreibungsregeln für moralische Persönlichkeit
gibt.
Dieses Argument ist zum einen interessant, da Singer selbst das Personsein
immer wieder zur Grundlage für ethische Entscheidungen macht.
Außerdem ist es durchaus denkbar, dass sich der Begriff der
moralischen Persönlichkeit als graduierbarer Begriff und als
effektiver Begriff, d. h. als eine Eigenschaft, deren Vorliegen bei
dem Anderen wir feststellen können, erweist.
Diese Lösung diskutiert P. Singer jedoch nicht.
Ein zusätzlicher Umstand bleibt bei Singer unberücksichtigt:
auch die Zuschreibung von Interessen zu Säuglingen, Kleinkindern
und geistig Behinderten ist durchaus problematisch.
These 3: Gleichheit, da keine moralisch bedeutsamen Unterschiede
zwischen den
Menschen
Die dritte Begründung für das Gleichheitsprinzip, die Singer diskutiert,
ist,
dass sich Menschen zwar als Individuen unterscheiden, dass es aber
keine
moralisch bedeutsamen Unterschiede zwischen ihnen gibt [12],
die
Unterschiede zwischen Individuen über die Grenzen von Rassen und Geschlecht
hinweg verlaufen [13].
Diese Position Singers ist verwirrend, wenn man bedenkt, dass
Singer bei der Diskussion des Tötungsverbotes immer wieder
den moralischen Unterschied zwischen Menschen die Person sind und
solchen die keine Person sind in die Waagschale wirft.
Die Struktur dieser These ähnelt der Rawls zugeschriebenen These. Aber
Singer
liefert ein neues Gegenargument, nämlich ein Gedankenexperiment, das mich
an
den Platons idealen Staat
erinnert. Singer diskutiert eine Gesellschaft, in der die
Menschen nach einem IQ-Test in Hierarchien eingeteilt werden. Eine solche Gesellschaft
würde auf realen Unterschieden basieren und trotzdem wohl kaum einem
Gleichheitsanspruch genügen [14].
Antithese:
Gleichheit als Interessenabwägung
Das Verglichene sind bei Singer die Interessen und diese sind auch nicht
gleich, sondern sollen gleich behandelt werden. Das Gleichheitsprinzip
ist für Singer keine Tatsachenbehauptung, sondern ein moralisches
Prinzip [15].
Grundbegriff "Interesse" bei Singer vage
Da Singer als Gleichheitsprinzip das Prinzip der Interessenabwägung postuliert,
müssen wir den Begriff des Interesses, die Basis einer Interessenabwägung,
bei Singer näher betrachten. Was Interessen für Singer sind, wird
aber nur
angedeutet. So hat es dieser Begriff nicht einmal bis in das Register des Buches
geschafft.
Problem der Zuschreibung bei Singer nicht
formuliert
Wenn wir Handlungen mit dem Prinzip der Interessenabwägung bewerten wollen,
müssen wir Verfahren angeben, die es uns gestatten, die Interessen anderer
zu
messen oder zumindest zu vergleichen. Eine solche Zuschreibung ist gar nicht
so
einfach, wird aber von Singer nicht explizit als Problem formuliert.
Problem der Zuschreibung - mögliche Lösungen
Prinzipiell gibt es verschiedene Ansätze das Zuschreibungsproblem zu lösen.
Bei Singer werden zwei (ersterer nur implizit) Ansätze diskutiert:
- die Zuschreibung über die wahrgenommenen Äußerungen von
Wünschen,
Präferenzen, wobei die
Äußerung von
Wünschen sehr unterschiedlich ausfallen kann (Wunsch des Babys nach Milch,
Wunsch des Philosophen nach Forschungsgeldern, Wunsch des Sterbenden nach
Sterbehilfe).
- die Zuschreibung über die erwarteten Folgen für das jeweilige
Subjekt.
Während man (1) als Spezialfall für das betrachten kann, was man in
der
Philosophie gemeinhin subjektive Interessen nennt, könnte man (2) als objektive
Interessen interpretieren.
Ansatz 1: Interessen als Wünsche
Die Fassung von Interessen als Wünschen interpretiert P. Singer als weiten
Interessenbegriff. "Würden wir »Interessen« weit genug definieren,
so dass wir alles, was Menschen wünschen, als ihre Interessen auffaßten
(sofern dies nicht unverträglich ist mit einem oder mehreren anderen
Wünsche), dann kann wohl in diesem vormoralischen Zustand nur das
je
eigene Interesse für die Entscheidung relevant sein." [16]
Das Gegenargument Singers, dass nur das je eigene Interesse für die
Entscheidung relevant sein kann, trifft nur, wenn wir
explizite innere Wünsche
betrachten. nicht aber wenn es um explizite äußere Wünsche (d.
h.
geäußerte Wünsche) geht. Problematisch ist aber auch dann, wie
eine
Interessenabwägung funktionieren soll.
Ansatz 2: Interessen als Folgen
Singer präferiert den 2. Ansatz. Dazu gibt es bei Singer eine zentrale
Formulierung:
- "Das Wesentliche am Prinzip der gleichen Interessenabwägung besteht
darin,
dass wir in unseren moralischen Überlegungen den ähnlichen Interessen
all derer, die von unseren Handlungen betroffen sind, gleiches Gewicht geben.
Dies
bedeutet: Wenn X und Y von einer möglichen Handlung betroffen wären
und X
dabei mehr zu verlieren als Y zu gewinnen hätte, ist es besser, die Handlungen
nicht auszuführen." [17]
- D. h., dass ich, wenn ich Interessen abwäge, Folgen abwäge,
die eine
Handlung für die anderen (oder für mich) hat.
Oder genauer: Ich wäge die Folgen meiner Handlung ab, die ich den anderen
Subjekten (und mir) zuschreibe. Das Prinzip der gleichen Interessenabwägung
wird
also auf ein Prinzip der Folgenabwägung zurückgeführt.
Offene Fragen 1: Was sind Interessen?
Die Zurückführung des Prinzips der gleichen Interessenabwägung
auf
ein Prinzip der Folgenabwägung hat keinesfalls die Frage geklärt,
was
Interessen sind. Aber es hat die Frage für den weiteren Gedankengang
überflüssig gemacht, wenngleich die Frage interessant bleibt.
Offene Fragen 2: Wie hängen Interessen und Folgen
zusammen?
Die Zurückführung des Prinzips der gleichen Interessenabwägung
auf ein Prinzip der Folgenabwägung ist bei Singer sehr intuitiv vollzogen und
- wie ich meine - bei uns durch die Formulierung des Zuordnungsproblems schon etwas deutlicher.
Es bleibt Singer aber zu befragen (und die Frage müssen auch wir uns stellen),
wie Interessen und Folgen
zusammenhängen.
Für die Abwägung (oder Erwägung) der Folgen spielt
diese Frage allerdings keine Rolle.
Offene Fragen 3: Wer hat Interessen?
In der ethischen Diskussion spielt die Frage nach den ethischen Subjekten immer
eine
große Rolle. In dieser Tradition müsste n wir fragen, wer denn
überhaupt Interessen haben kann.
Das Prinzip der Folgenabwägung ermöglicht es auch von Folgen für
Babys, Kleinkinder, geistig Behinderte [18] und für Tiere
[19]
zu reden, ohne dass wir uns auf das Glatteis "Tiere haben Interessen"
begeben müssen. Wir können damit die Diskussion der Frage "Wer
hat
Interessen?" aus unserem Gedankengang fernhalten.
Offene Fragen 4: Ist Interesse ein Merkmal der Menschen
Singer kritisiert Rawls, indem er bezweifelt,
- "... dass er irgendeine moralisch
signifikante Eigenschaft gibt, die alle Menschen in gleichen Maße
besitzen." [20]
- Wenn P. Singer dies sagt, sagt er implizit auch, dass Interessen keine
natürliche Eigenschaft des Menschen sind. An anderer Stelle spricht er
aber vom
Interesse als einem Merkmal der Menschen [21].
These: Interessenabwägung von menschlichen
Fähigkeiten
unabhängig
Singer schreibt:
- "Das Prinzip der gleichen Interessenabwägung verbietet es,
unsere Bereitschaft, die Interessen anderer Personen abzuwägen, von ihren
Fähigkeiten oder anderen Merkmalen abhängig zu machen, außer
dem
einen: dass sie Interessen haben." [22]
- Wenn Interessenabwägung aber bedeutet, Folgen abzuwägen: Woher
nehmen wir dann die Sicherheit, dass die Folgen von den Fähigkeiten
oder
anderen Merkmalen unabhängig sind. Schon in der Antike wurde es mehr bestraft,
wenn man einem Einäugigen ein Augenlicht nahm als wenn man es bei einem
Zweiäugigen tat, weil man einschätzte, dass die Folgen für
den
Einäugigen graduierbar sind. Und Singer sagt ja dann auch selbst, dass
die
Fähigkeiten und anderen Merkmale das Ergebnis der Interessenabwägung
beeinflussen [23].
2 Implikaturen
Argumentationstyp 1: Gleichheit und genetische Verschiedenheit
Singer weist die genetische (bzw. biologische) Begründung von Ungleichheit
für einen bestimmten Falltyp von Beispielen zurück.
Es handelt sich um Fälle, bei denen die Ungleichbehandlung zweier
Menschengruppen aus biologischen Unterschieden abgeleitet wird, die nur statistisch
gelten.
Gegen solche Begründungen hat Singer drei Argumente:
- die biologischen Unterschiede implizieren nicht, dass Bemühungen,
soziale
Unterschiede abzubauen, nicht helfen können, Unterschiede zwischen den
Menschen zu verringern [24].
- aus einem signifikanten Unterschied zwischen Gruppen kann nicht auf einen
Unterschied
zwischen Individuen geschlossen werden. Daher ist so eine Ungleichbehandlung
der Gruppen nicht zu begründen.
- das unterschiedliche Merkmal muss keine unterschiedlichen Interessen
bewirken [25] oder wie wir sagen könnten, keine unterschiedlichen
Auswirkungen auf die Folgen einer
Handlung für die Individuen haben.
Beispiel 1: Unterschied und Gleichheit der Rassen
Singer führt den eben vorgestellten Argumentationstyp an zwei Beispielen
aus.
Das erste Beispiel ist die Frage, ob aus einem signifikanten statistischen Unterschied
des
IQ zwischen Schwarzen und Weißen, wenn der Unterschied denn bewiesen
wäre, die Ungleichbehandlung der Rassen abzuleiten wäre [26].
Singers Gegenargumente sind nun genau die im Argumentationstyp 1
genannten [27].
Beispiel 2: Unterschiede und Gleichheit der Geschlechter
Analog zum vorigen Beispiel diskutiert Singer das Beispiel, ob wenn aus biologischen
Ursachen Unterschiede in Intelligenz
und
Aggressivität zwischen den Geschlechtern
folgen, sich damit eine Ungleichbehandlung der Geschlechter ableiten
lässt [28].
Auch hier wieder die Gegenargumente des Argumentationstyps 1.
Argumentationstyp 1 verallgemeinerbar
Die Argumentation von Singer ließe sich verallgemeinern, wenn man zu jedem
der
Argumente von Singer Bedingungen sucht unter denen sie gelten.
Beispiel: Gleichheit und Behinderung
Wir stellen uns eine Gesellschaft vor, ist der alle (Voll-)Blinden in dunklen
Kellern leben
müssen, da sie ja eh mit dem Licht nichts anfangen können.
In diesem Fall zieht Singers Argument (2) nicht, da der signifikante Unterschied
zwischen
den Gruppen auch ein Unterschied zwischen den Individuen dieser Gruppen ist.
Das Argument (3) funktioniert aber.
Die Behinderungen bedeuten - wie Singer festhält - gelegentlich, dass
Behinderte anders zu behandeln sind als die meisten anderen [29].
Dieses Argument Singers lässt sich umkehren. Auch Nichtanerkennung
kann
bedeuten, dass jemand anders zu behandeln ist.
Ich will das verdeutlichen, indem ich Singers Beispiel korrigiere, dass
sich ein Blinder
nicht bewerben braucht, wenn wir einen Korrektor suchen [30].
Dies gilt nur für einen bestimmten Typ von Korrektoren. Ich bin mir gar
nicht so
sicher, ob es in Leipzig mehr Philosophie-Professoren gibt als blinde Korrektoren,
Korrektoren in der Deutschen Zentralbücherei für Blinde, dem ältesten
deutschen Blindenschriftverlag nämlich, die dort Punktschriftbände
Korrektur
lesen, eine Arbeit für die Sehende kaum eingesetzt werden können.
Argumentationstyp 2: Chancengleichheit
Singers Argumente:
- Chancengleichheit ist nicht praktisch realisierbar. Da es eine Chancengleichheit
in
jeder Hinsicht sein müsste , kann keine Gesellschaft sie
verwirklichen [31].
- Schon unterschiedliche genetische Veranlagungen bewirken unterschiedliche
Chancen
[32].
Singer schließt:
- "Chancengleichheit ist somit kein attraktives Ideal. Sie
belohnt die Glücklichen, die solche Fähigkeiten erben, die es ihnen
erlauben, interessante und einträgliche Berufswege zu
bestreiten." [33]
Ist eine Gesellschaft, in der das Prinzip der
gleichen Interessenabwägung gilt,
möglich?
Nur eine Gesellschaft, die die marxistische
Devise Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen
Bedürfnissen befolgt, würde
das
Prinzip der gleichen Interessenabwägung einlösen [34].
Dieses Prinzip ist nicht ohne starke Grenzen nur in einem Land
einführbar [35].
Aber in einem Land sind einzelne Regelungen zur Verbesserung der Einkommensverteilung
möglich [36].
Singer modifiziert die marxistische Devise in eine Devise (die er nicht so
ausdrücklich wie wir formuliert): "Jedem nach seinen Anstrengungen",
wobei Anstrengungen die an den Fähigkeiten gemessenen Leistungen
sind [37].
Auch dieses Prinzip ist nicht durchsetzbar [38]:
- "Andererseits ist es, wie
ich glaube, realistisch und richtig, sich um breitere Zustimmung zu dem Prinzip
zu
bemühen, dass Bedürfnisse und Anstrengungen zu bezahlen sind,
und
nicht ererbte Fähigkeiten." [39]
Argumentationstyp 3: Affirmatives Handeln
Affirmatives Handeln heißt, "... Mitglieder der benachteiligten Gruppen
zu
bevorzugen." [40]
Argument 1 für affirmatives Handeln: Quotengleichheit
"Gelegentlich heißt es, wenn 20 % der Bevölkerung einer ethnischen
Minderheit angehören, aber nur 2 % davon Ärzte sind, dann sei hinreichend
bewiesen, dass in unserer Gesellschaft ethnische Gruppen diskriminiert
werden." [41]
Gegenargument: "Es könnte sein, dass die Mitglieder der
unterrepräsentierten Gruppe für die Art von Studium, das ein angehender
Arzt
absolvieren muss, durchschnittlich weniger begabt
sind." [42]
Beispiel: "So wie die unverhältnismäßig große Zahl
von
afro-amerikanischen Athleten im Olympia-Team der Vereinigten Staaten für
sich
genommen noch kein Beweis für eine Diskriminierung der Amerikaner
europäischer Abstammung ist." [43]
"Ohne positive Anhaltspunkte für Diskriminierung ist es nicht möglich,
affirmatives Handeln mit der Begründung zu
rechtfertigen, es stelle bloß
das
Diskriminierungsgleichgewicht in der Gesellschaft wieder her." [44]
Argument 2 für affirmatives Handeln: Chancengleichheit
Man kann für affirmatives Handeln mit der Chancengleichheit
argumentieren [45].
Ein Argument dieses Typs wäre: Standardisierte Aufnahmetests für ein
Studium können "keinen exakten Aufschluß über die
Fähigkeiten geben, wo es um einen Studenten geht, der ernsthaft benachteilligt
wurde." [46]
Gegenargument: Dieses Argument zieht nur bei Einzelfallprüfung, nicht aber
bei
Quotierungen [47].
Folgerungen unlogisch
Nachdem Singer zwei Argumente für affirmatives Handeln
widerlegt hat, vollzieht
er ein Salto mortale. Er stellt fest, dass affirmatives Handeln
nicht dem Prinzip der gleichen Interessenabwägung entspricht,
ihm aber auch nicht widerspricht.
- "Wichtig ist, dass affirmatives Handeln, ob nach Quoten oder irgendwelchen
anderen Maßstäben, nicht gegen ein vernünftiges Gleichheitsprinzip
verstößt und nicht irgendwelche Rechte der Abgewiesenen verletzt.
In
angemessener Weise angewendet, ist es mit gleicher Interessenabwägung
vereinbar, zumindest in seinen Zielen. Der einzige echte Zweifel bezieht sich
darauf, ob
es wirklich funktioniert. In Ermangelung besserer, Alternativen scheint sich
ein Versuch zu
lohnen." [48]
-
[1] "Der universale Aspekt der Ethik, meine ich, liefert
uns eine überzeugende, wiewohl nicht letztgültige
Begründung dafür, eine utilitaristische Position im weiteren
Sinne einzunehmen." (Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart
21994, 29)
[2] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
29
[3] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
34
[4] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
35
[5] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
35
[6] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
35
[7] Modell: "Man stelle sich vor, man zeichne auf ein
Papier einen Kreis. Dann haben alle Punkte innerhalb des Kreises - dies
ist der »Bereich« - die Eigenschaft, innerhalb des Kreises zu sein,
und sie haben diese Eigenschaft im gleichen Maße. Einige Punkte
mögen dem Zentrum näher sein, andere der Peripherie, aber
alle sind gleichermaßen Punkte innerhalb des Kreises. Auf
ähnliche Weise ist, meint Rawls, die Eigenschaft
einer »moralischen Persönlichkeit« eine Eigenschaft, die so
gut wie alle Menschen besitzen, und alle Menschen, die sie besitzen,
besitzen sie im gleichen Maße."
(Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994, 35)
[8] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
36
[9] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
35
[10] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
37
[11] vgl. z. B. Gottwald, S.: Mehrwertige Logik, Berlin 1989,
304
[12] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
37
[13] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
38
[14] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
38f.
[15] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
39
[16] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
29f.
[17] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
39
[18] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
36
[19] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
83
[20] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
37
[21] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
41
[22] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
41
[23] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
41
[24] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
50 u. 58
[25] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
51 u.59
[26] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
50
[27] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
50-52
[28] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
58f.
[29] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
77
[30] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
77
[31] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
61
[32] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
62
[33] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
62
[34] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
63
[35] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
64f.
[36] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
65
[37] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
66
[38] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
67
[39] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
67
[40] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
68f.
[41] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
70
[42] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
70
[43] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
70
[44] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
71
[45] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
71
[46] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
71
[47] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994,
71
[48] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe.Stuttgart 21994,
76f.
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