|
|
Kynische Schule
Kyniker sind die Mitglieder einer griechischen
Philosophenschule,
die an Sokrates
anknüpfte. Der Name leitet sich sowohl vom Gymnasium Kynosarges her, in
dem
ihr Begründer Antisthenes
lehrte, als auch von ihrer Lebensweise "wie die
Hunde" (griech. kyon "Hund"). Vertreter waren Antisthenes,
Diogenes von Sinope,
Krates von Theben, Demetrius,
Hipparchia,
Menedemos, der Kyniker und
Zoilos.
Letzter Zweck des menschlichen Strebens ist für die
Kyniker die Tugend, die mit der
Glückseligkeit
zusammenfällt. Tugend ist
Bedürfnislosigkeit
und Vermeidung des Bösen und des Übels. Die Tugend ist
lehrbar, bedarf aber zu ihrer Verwirklichung mehr der Tat und Willenskraft
als des Wissens. Die Bedürfnislosigkeit sichert die Unabhängikeit,
sie
stellt aber bei den Kynikern auch eine Negation der Kultur, Kunst, Familie,
Staat, Gütern, Wissenschaft und öffentliche Sitte - und zwar bis zur
Erregung
öffentlichen Ärgernisses - dar.
Glück beruht nach der kynischen Lehre auf innerer
Unbhängigkeit und
Autarkie.
Dieser Freiheit stehen vor allem drei Hindernisse im Weg: Angst
(z.B. vor Schicksalschlägen), Begierde nach äußeren
Gütern und Unwissenheit.
Bedürfnislosigkeit sowie körperliche und geistige
Askese sind die Wege zur Erlangung der inneren Freiheit.
Das Streben der Kyniker nach Bedürfnislosigkeit ist Reflex
des Elends breiter Volksmassen, ihre bloße Negation des
Bestehenden und ihr jede Bindung ablehnender Individualismus
Widerspiegelung der Perspektivlosikgkeit der breiten Massen und
ihrer praktischen Aussgeschlossenheit aus der bestehenden
Gesellschaft.
Philosophisch wurden von den Kynikern teilweise materialistische,
nominalistische und
im Gegensatz zum Volksglauben, monotheistische
Auffassungen vertreten. Die Kyniker forderten die Aufhebung aller Schranken
des Eigentums, der Stände, der Nationalität im kosmopolitischen Sinn.
Kynische Auffassungen, in der volkstümlichen Form der
Diatribe vorgetragen und
deshalb sehr beliebt, gingen dann in die
Stoa ein, und
die kynische Schule hörte zunächst zu existieren auf,
doch trat dann im 1. Jh. u. Z. unter ähnlichen Bedingungen
wie zu seiner Entstehungszeit, der Kynismus in Rom erneut hervor
und ist dort noch im 4. Jh. u. Z. nachzuweisen.
Die Ablehnung der kynischen Lebenshaltung durch die besitzenden
Schichten führte zu den abwertenden Begriffen Zyniker
und Zynismus.
|