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Leid

Leid (auch Leiden, Erleiden nennt man ein quälendes subjektives Empfinden in der Erfahrung des körperlichen Ausgeliefertsein (dauerhafter Schmerz, Krankheit) oder das seelische Ausgeliefertsein (Gewalt, Versagung von Bedürfnissen und Wünschen).

Leid ist stark vom Bewußtsein der Einschränkung oder des Scheiterns von Lebenserwartungen oder Zielstellungen geprägt.

Für eudämonistische und hedonistische Lehren ist Leid ein Übel.

Von metaphysischem Leiden am Sein redet man, wenn das endliche menschliche Leben insgesamt als leidvoll betrachtet wird. Insofern ist die buddhistische Lehre von den vier edlen Wahrheiten eine Position des metaphysischen Leidens.

Die Erkenntnis, das Leiden nicht generell vermeidbar ist, hat in der christlichen Theologie zu der Frage geführt, wie man Gott als Schöpfer der Welt betrachten kann.

Vom Begriff des Leidens geht die Ethik von Hans Driesch aus.

Bei Jaspers ist Leiden eine Grenzsituation, die den Menschen aus der Geborgenheit im Dasein wirft und ihn vor sein Selbstseinkönnen stellt.

Viele ethische Theorien, insbesondere viele pathozentrische Tierethiken gehen davon aus, dass auch Tiere leiden können und dass unser Verhalten auf die Minimierung des Gesamtleidens hin, optimiert werden soll.

So ist nach Singer [1], die Fähigkeit zu leiden Voraussetzung für die Fähigkeit, Interessen haben zu können.


[1] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994, 83

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