Logik
Als Logik bezeichnet man die Wissenschaft von den Gesetzen
und Formen des Denkens. Die Logik kann als eine
Ethik des Denkens bezeichnet werden.
In der formalen Logik werden die Gesetze des abgeleiteten
Wissens studiert,
das aus früher bestimmten und geprüften
Wahrheiten gewonnen
wird, ohne in jedem konkreten Fall direkt auf die
Erfahrung zurückzugreifen.
Die traditionelle Logik untersucht die allgemeinen Gesetze der Logik,
z. B. das Gesetz
von der Identität, das
Gesetz vom Widerspruch, das
Gesetz vom ausgeschlossenen Dritten
und das Gesetz vom zureichenden Grunde.
Sie untersucht die allgemeinen Formen des Denkens wie
Urteil und
Begriff sowie
die Formen der Verknüpfung der Gedanken im
Schluss.
Um auszudrücken, dass sie nur Gesetze innerhalb der
Symbolik aufstellt und keinerlei Aussagen über Grundgesetze
des Seins oder tatsächliche Beziehungen in der
Wirklichkeit
macht, spricht man von reiner Logik.
In allen anderen Fällen spricht man von
angewandter Logik.
Als Vernunftlehre tritt die Logik in zweifacher Hinsicht auf:
- Sie thematisiert die subjektiven Fähigkeiten des Denkens, die normativen
Denkregeln und Denkgesetze und
- sie thematisiert die objektiven Verstandesgebilde und die allgemein verbindlichen
Bedeutungsbeziehungen.
Die Eleaten, die Sophisten
und die Megariker
verwenden bereits bewusst Schluss und Beweis.
Sokrates legt Wert auf Definition und Induktion.
Platon begründet eine Dialektik.
In seiner ersten Schrift zu Logik, der Topik, untersucht
Aristoteles die Probleme der Logik in
Zusammenhang mit der Rhetorik.
Aristoteles betrachtet in der Topik die Logik als Teil der Rhetorik.
In späteren Arbeiten betrachtet Aristoteles die Logik nicht mehr
als ein Mittel der Einwirkung des Redners auf das Auditorium, sondern
als Wissen, das den Weg zur Erlangung der Wahrheit weist.
Das Ausgangsprinzip der Logik ist in
der Aristotelischen Logik das
Prinzip der Widerspruchsfreiheit des Denkens.
Aristoteles untersuchte bereits modale Urteile, in denen die Möglichkeit
des Vorhandenseins oder Fehlens eines Merkmals bei einem
Gegenstand
wiedergegeben wird.
Die Peripatetiker Eudemos
und Theophrast entwickeln die
Aristotelische Logik insbesondere die Lehre vom
Syllogismus und
von der Modalität der
Urteile weiter und entdecken die hypothetischen und die disjunktiven
Urteile.
Das Verständnis von Logik als Kunstlehre des
Denkens geht auf die Stoiker zurück.
Die Logik zerfällt der stoischen Logik
zufolge in Rhetorik und Dialektik (Diog. L. VII, 41).
Die Epikureer
ersetzen die Logik durch die Kanonik. Sie befassen
sich mit der Induktion und der Analogie.
Der Skeptiker
Karneades
stellt eine Theorie der Wahrscheinlichkeit auf.
Auch in der nyāya-Schule
wurden logische Theorien entwickelt.
Von großer Bedeutung für die Entwicklung Logik sind
auch Porphyrios und
Apuleius.
Böethius übersetzt
und erläutert Teile des Organon von
Aristoteles und die Isagoge des Porphyrios. Er
schreibt auch über Schlüsse und über
Topik.
Al-Farabi unterscheidet
die theoretische, reine Logik (logica docens)
von einer praktischen, angewandten Logik (logica utens).
Im Mittelalter konzentrierte sich die logische Diskussion auf den
Universalienstreit.
Im Mittelalter ist die Synopsis von
Michael Psellos,
übersetzt von Petrus Hispanus,
ein vielbenutztes Kompendium der Logik.
Nach Duns Scotus
ist die Logik ein modus sciendi.
Petrus Ramus kritisiert
die überkommene Logik als unnatürlich. Er
unterteilt die Logik in:
- die Lehre von der Erfindung (invetio
argumentorum), d. h. von den Begriffen und
- die Lehre von der dispositio und dem
indicium (Urteil, Schluss, Methode).
Zu Beginn des 17. Jh., als die Entwicklung der empirischen Wissenschaften
und der Produktion die Schaffung vollkommenerer Erkenntnismethoden
erforderlich machte, veröffentlichte
F. Bacon seine Schrift
Novum Organum (1620), die er als ein Instrument der neuen
Wissenschaft den logischen Arbeiten des Aristoteles
gegenüberstellte, die die Gesamtbezeichnung Organon
trugen. Während die Logik als Mittel zur Prüfung und
Begründung der Wahrheit betrachtet wurde, sah Bacon im
Novum Organum die Logik als Instrument, mit dessen Hilfe
neue wissenschaftliche Entdeckungen gemacht werden.
Die von Bacon vorgeschlagene induktive Logik
stellte nach Bacon eine Gesamtheit von Methoden dar,
von Stützmitteln des Verstandes,
mit deren Hilfe Formen ermittelt und neue Wahrheiten entdeckt
werden.
Descartes wendet
sich gegen die Dialektik. Er gibt methodische Regeln
der Forschung an.
Einige von den Cartesianern
haben in der Geschichte der Logik eine Rolle gespielt,
z. B. Geulincx,
Clauberg und die
Verfasser der Logik von Port-Royal Arnauld und
Nicole.
Die Logik von Port-Royal unterscheidet die Elementarlehre (Lehre
vom Begriff, vom Urteil und vom Schließen) und die
Methodenlehre (die kunstgerechte Behandlung der Elementarlehre
zur Erzeugung einer systematischen Wissenschaft).
Nach Gassendi
ist die Logik die Lehre vom richtigen Denken. Sie ist
abiuncta a rebus (reine Logik) und
coniuncta cum rebus (angewandte Logik).
Nach Locke beschäftigt
sich die Logik oder Semiotik mit der Untersuchung der
Zeichen
für das Verständnis der Dinge und für die Mitteilung des
Wissens an andere.
Mit Leibniz wird das
Verständnis der Logik auf jede Art formgerechten
Beweisgangs, auf jede Vernunftüberlegung, die kraft ihrer
Form Schlüsse zieht und bei der man kein Beweisstück
zu ergänzen braucht, ausgeweitet. Alle logischen
Regeln sollen per numeros demonstriert werden.
Die Logik definierte Wolff
als Propädeutik der Philosophie,
die die gnoseologische Fähigkeit untersucht, im Urteil
Wahres und Falsches zu unterscheiden. Die Logik hilft
nach Wolff, "dass wir die Kräfte des menschlichen
Verstandes und ihren rechten Gebrauch in Erkenntnis
der Wahrheit erkennen lernen". Es gibt eine
lehrende und eine ausübende Logik.
Interessante Beiträge zur Logik lieferten auch
Tschirnhausen,
Crusius,
Ploucquet,
Lambert,
Condillac,
Feder und
de Crousaz.
Nach Hume ist "die
Darlegung der Prinzipien und Operationen unseres
Denkvermögens und der Beschaffenheit unserer
Vorstellungen" Aufgabe der Logik.
Die Logik ist nach Platner
"eine pragmatische, mit Bemerkungen,
Grundsätzen und Regeln von Wahrheit und Irrtum begleitete
Geschichte des menschlichen Erkenntnisvermögens".
Sie "ist eine Untersuchung des menschlichen
Erkenntnisvermögens, angestellt in der Absicht,
genauer zu bestimmen, ob der Mensch fähig sei,
die Wahrheit zu erkennen und zu beweisen, d. i. ob
das menschliche Erkenntnisvermögen
gelten könne als Maßstab der
Wahrheit".
Nach Kant
ist die Logik die "Wissenschaft von den
notwendigen Gesetzen des Verstandes
und der Vernunft überhaupt oder - welches
einerlei ist - von der bloßen Form des Denkens überhaupt".
Sie abstrahiert von allen Objekten,
ist kein Organon, sondern ein Kanon des Verstandes. Die Logik enthält
"lauter Gesetze a priori". Die Logik
ist die "Wissenschaft der Verstandesregeln überhaupt".
Sie fragt, wie wir denken sollen.
Kant unterscheidet die
reine Logik von
der angewandten Logik.
Innerhalb der reinen Logik unterscheidet
Kant die allgemeine Logik
und die transzendentale Logik.
Bei Fichte ist die gemeine
Logik keine wahre Wissenschaft. Die allgemeine Logik muss
aus der Wissenschaftslehre deduziert werden und setzt das Erkennen
voraus.
Die Logik ist nach Baader
"Sprach- und Denklehre", "die Formierungslehre oder die Lehre
vom Logos als Formator durch seinen Geist". Er unterscheidet
die theosophische Logik und die
anthroposophische Logik.
Hegel kritisierte die
Versuche, die Gesetze der formalen Logik als
allgemeine Erkenntnismethode zu deklarieren. Die Gesetze der
formalen Logik sind nach Hegel Gesetze des abgeleiteten Wissens und nicht
allgemeine Gesetze der Erkenntnis. Er betrachtet die Logik als
Grundwissenschaft. Die Logik ist das System des reinen Gedankens.
Sie handelt von der Wahrheit an sich. Nach Hegel zerfällt die
Logik in die objektive Logik (Logik des Seins)
und die subjektive (Logik des Begriffs).
Rosenkranz unterscheidet die
subjektive Logik von der (objektiven) Ideologie.
Nach Hamilton
ist die Logik "the science of the laws of thought as
thought".
Nach Mill hat die
Logik erkenntnistheoretischen Charakter. Sie ist
"die Wissenschaft von den Verstandesoperationen,
welche zur Schätzung der Evidenz dienen".
Die Logik muss die psychologischen Bedingungen
des Denkens berücksichtigen. Die Logik ist z. T.
Methodenlehre.
Nach Schleiermacher müssen
Logik und Metaphysik zur
Dialektik vereinigt werden.
Nach Hillebrand ist die Logik
Theorie der Wissenschaft.
Nach Ueberweg ist die Logik
die Wissenschaft von den normativen Gesetzen der menschlichen
Erkenntnis. Er betont die objektive Gültigkeit des richtigen
Denkens. Die Logik ist als Theorie der Inbegriff
der Normen und als Kunst die richtige Anwendung
der Normen. Die subjektive Erkenntnistätigkeit muss sich den
Normen unterwerfen, um ihr Ziel zu erreichen.
Als Gegenstand der Logik betrachtete
Sigwart die Untersuchung
der Technik des Denkens, die, wie er sagt, Hinweise gibt, wie
man zu unbestreitbaren und allgemeingültigen
Thesen kommt.
Sigwart beschreibt die Logik als eine Kunstlehre des
Denkens, die die Kriterien des wahren Denkens untersucht.
In der Philosophie gibt es (insbesondere im 19. Jahrhundert)
eine breite Debatte um das Verhältnis von Psychologie und
Logik. Die wichtigsten Positionen in dieser Debatte sind
der starke Psychologismus,
schwache Psychologismus und
der Anti-Psychologismus
(Herbart,
Bolzano,
Drobisch,
Külpe,
Cohen).
Nach Cohen ist die Logik Logik des Urteils.
Sie erzeugt formal aus dem Urteil die
Kategorien als Voraussetzungen der Wissenschaft.
Aufgabe der Logik ist es, der Wissenschaft ihren Weg
bewusst zu machen. Die Logik ist Lehre von der
Methode. Das Denken der Logik ist das Denken der
Wissenschaft. Die Logik ist zugleich die Metaphysik.
Die Logik ist nach Erdmann
die allgemeine Wissenschaft von den Arten
und der Geltung der Urteilsoperationen, d. i. den
formalen Voraussetzungen, die allem wissenschaftlichen Denken
zugrunde liegen. Die Logik abstrahiert nicht von allem
Denkinhalt. Sie ist nicht Psychologie, keine
Tatsachenwissenschaft, sondern die allgemeine formale
und normative Wissenschaft von den methodischen
Voraussetzungen des wissenschaftlichen Denkens.
Die Psychologie setzt die Gültigkeit des logischen
Verfahrens voraus. Ihr Maßstab ist das
Ideal durchgängiger Allgemeingültigkeit
oder Wahrheit.
Nach Lotze soll die Logik lehren
in welchen Formen wir unsere Einzelvorstellungen verbinden und
abändern müssen, damit wir aus gegebenen Tatsachen
der Wahrnehmung andere
nicht wahrgenommene oder zukünftige Tatsachen
berechnen können. Die Logik ist
nach Lotze unabhängig von der Psychologie.
Schuppe
begründete die Einheit von Logik und Erkenntnistheorie
damit, dass beide sich mit der Bestimmung von wahr und falsch befassen.
Die Logik lehrt keine subjektive Verfahrungsweise
des bloßen Denkens (ohne Objekte), sondern
gibt inhaltliche Erkenntnisse allgemeinster Art
vom Seienden überhaupt und seinen obersten Arten.
Die Logik ist nach Schuppe die Wissenschaft von dem objektiv
gültigen Denken.
Aus der Geschichte der Logik sind Versuche bekannt, den Gegenstand
der Logik auf die Untersuchung der Psychologie des Denkens
zurückzuführen. Wir finden diese Position z. B. bei
Bain,
Lipps,
Beneke,
Uphues,
Schwarz,
Heymans und
Grot.
Nach Wundt ist die Psychologie ein
Hilfsmittel der logischen Forschung. Die Logik ist also eine
normative Wissenschaft. Die logischen Normen gehen nach Wundt aus
psychologischen Gesetzen hervor. Daher könne
ihre Untersuchung nicht losgelöst von der Psychologie erfolgen.
Dennoch ist die Logik nach Wundt kein Zweig der Psychologie.
Nach Palágyi hat die
Logik die Aufgabe, durch die Untersuchung der
Erkenntnistätigkeit unser Wissen von der
Wahrheit zu befördern. Hauptproblem der Logik ist die Frage
nach dem Wesen des Urteils. Logik und Psychologie bedingen sich
wechselseitig.
Nach Höffding ist die
Psychologie die Grundlage der Logik. Die Logik ist jedoch nicht
Psychologie. Sie setzt die allgemeinen Prinzipien des Denkens
voraus, kann ihre Gültigkeit aber nicht
erklären.
Die Logik ist eine Kunstlehre, die Psychologie eine
Naturlehre.
Das erste System einer mathematischen Logik schuf
Boole. Die mathematische Logik
wurde von Jevons,
Schröder,
Porezki,
Peirce,
McColl u. a.
weiterentwickelt.
Frege zeigt, dass eine logische
Kunstsprache möglich ist, in
der alle relevanten Formen von Sätzen eindeutig ausgedrückt
werden können.
In der modernen Logik haben sich zahlreichen Darstellungsformen,
Begründungsweisen und Disziplinen herausgebildet. Wir unterscheiden
u. a. die Dialoglogik,
die intuitionistische und konstruktive Logik,
die Beweistheorie,
die Relevanzlogik,
die Modallogik, die Zeitlogik,
die mehrwertige Logik,
die parakonsistente Logik,
die deontische Logik, die epistemische Logik,
die Kausallogik,
die Logik der natürlichen Sprachen,
die Präferenzlogik,
die Definitionstheorie,
die Kommunikationslogik und die induktive Logik.
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