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Neid

Aristoteles hebt den Neid (phontos) vom Unwillen gegen solche ab, die zu unrecht Güter besitzen (nemesis).

Für Thomas von Aquin ist Neid (individia) ein Gefühl das als an sich unvernünftig gilt (aliquid de se inconveniens rationi). Neid ist seiner Art nach (ex sua specie) schlecht. Theologisch betrachtet ist Neid Sünde.

Bacon hat eine Schrift "Über den Neid verfaßt". Dort heißt es u. a.

"Denn der Neid ist eine müßgigängerische Leidenschaft, treibt sich auf der Straße herum und bleibt nicht zu Hause." (p. 32). "Der Neid folgt immer dem Vergleichen mit sich selbst." (p. 34) "... der Neid gleicht den Sonnenstrahlen, die auf einen Abhang oder eine Steilwand glühender treffen als auf eine Ebene." (p. 34)

Kant sieht im Neid ein Laster des Menschenhasses.

Hobbes spricht in De cive dem Neid auch einen konstruktiven Aspekt zu. Der menschliche Neid rechtfertigt die Akzeptanz einer Staatsmacht.

Kierkegaard sieht im Neid ein einigendes Prinzip der Gesellschaft, allerdings eines, das auf negative Weise wirkt, vor allem in leidenschaftslosen, stark reflektierten Zeiten.

Nach Rawls vermeidet eine gerechte Gesellschaft jeden entschuldbaren allgemeinen Neid ihrer Mitglieder.

Literatur

Aristoteles: Rhetorik, 1386b-1387b
F. Bacon: Über den Neid. In: Essays. Leipzig 1967 T. Hobbes: De cive Op. lat. II, ed. G. Molesworth. Reprint Aalen 19966, 209ff.
S. Kierkegaard: Eine literarische Anzeige (Gesammelte Werke 17. Abtlg.) Düsseldorf 1954, 86
J. Rawls: Eine Theorie der Gerechtigkeit, Frankfurt a. M. 1975, 575-587
Thomas v. Aquin: S. th. I-II,q.24,a.4,II-II,q.36,a.2
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