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Parakonsistente Logik

Inhalt

Charakterisierung der Parakonsistenz

Sei ⊧ eine Relation einer logischen Konsequenz. Dann kann ⊧ semantisch, beweistheoretisch oder auf andere Weise definiert werden.

Die Relation ⊧ ist explosiv, wenn für alle A und B gilt, {A, ~A} ⊧ B.

Eine Relation ist parakonsistent, wenn sie nicht explosiv ist. Eine Logik ist parakonsistent, wenn ihre Konsequenzrelation parakonsistent ist. Eine Logik kann mehrere Konsequenzrelationen enthalten. In diesem Fall sollen alle Konsequenzrelationen parakonistent sein.

Eine Menge von Aussagen S heißt trivial, wenn für alle B gilt, B Î S.

Parakonsistente Logiken sind nun gerade - falls die Konsequenz transitiv ist - solche Logiken, die inkonsistent, aber nicht trivial sind.

Der beweistheoretische Zugang

Der beweistheoretische Zugang geht davon aus, dass es interessante Theorien T gibt, die inkonsistent, aber nicht trivial sind. Die solchen Theorien unterliegende Logik muss parakonsistent sein, daher werdn parakonsistente Logiken studiert.

Es gibt zahlreiche nicht-triviale, inkonsistente Theorien die analysiert wurden.

Das erste Beispiel ist die naive Mengenlehre, die auf dem Axiomschema der Abstraktion $y "x (x Î y « A) basiert. Dieses Axiomschema charakterisiert zusammen mit der Extensionalität das intuitive Verständnis von Mengen. Diese Theorie ist aber inkonsistent, da sie zu mengentheoretischen Paradoxien, wie zum Beispiel der Russell-Antinomie führt.

Ein ähnliches Beispiel ist die natürliche Semantik, d. h. die Wahrheitstheorie die auf dem T-Schema Tr &gen;AØ « A basiert. Dieses Schema charakterisiert das intuitive Verständnis der Wahrheit. Das intuitive Verständnis der Wahrheit ist inkonsistent, da es zu semantischen Antinomien führt. Es ist nicht trivial, da es viele Beziehungen gibt, die nicht folgen, z. B.
Tr &gen;A Ú BØ « &gen;AØ Ù &gen;BØ.

Auch die Versionen des Differentialkalküls von Newton und Leibniz sind Beispiele für nicht-triviale, aber inkonsistente Theorien.

Die Leibniz-Version des Kalküls ist inkonsistent [1].

Als weiteres Beispiel für eine solche parakonsistente Theorie gilt die Atomtheorie von Bohr [2].

Eine weitere wichtige beweistheoretische Anwendung der parakonsistenten Logiken hat in sehr starkem Maße mit der KI-Forschung zu tun.

Der erklärungstheoretische Zugang

Bisher ist die parakonsistente Logik meines Wissens auf die Analyse von induktiven, abduktiven Schlüssen und Erklärungen noch nicht angewendet worden. Es ist jedoch nicht erkennbar, warum die parakonsistenten Logiken nicht auch auf die Analyse solcher Schlüsse anwendbar sein soll.

Verwandte Theorien

Personen


[1] G. Priest/R. Routley: Systems of Paraconsistent Logic. In: G. Priest/R. Routley/J. Norman (eds.): Paraconsistent Logic. Essays on the Inconsistent. München 1989, 152
[2] G. Priest/R. Routley: Systems of Paraconsistent Logic. In: G. Priest/R. Routley/J. Norman (eds.): Paraconsistent Logic. Essays on the Inconsistent. München 1989, 152

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