Substanz
einer vernünftigen Natur). Damit beschränkt er Person auf
vernunftbegabte Wesen (Mensch, Gott, Engel) und auf Individuen.
Thomas von Aquin knüpft
an der Bestimmung von Boëthius an und betont den
Selbstand der Person (per se existere), die
indivduell von allen anderen unterschieden (per se unum)
und frei, weil aus sich heraus handelnd (per se agere).
Heute lassen sich zwei grundsätzliche Positionen
unterscheiden:
- Personsein wird allen Menschen und nur diesen zugeschrieben,
ist also ein Merkmal der Art Mensch;
- Personsein ist an bestimmte Eigenschaften gebunden. Solche
Eigenschaften können Bewußtsein, Selbstbewusstsein,
Vernunft,
freier
Wille,
Wertbezogenheit,
Kommunikation,
eine erkennende und handelnde Beziehung zu seiner
Umwelt (d. h. auch zu anderen Personen hat) oder eine
individuelle Geschichte, durch die das betreffende
Individuum sich zu einer eigenen Persönlichkeit
entwickelt mit bestimmten Anlagen, Haltungen,
Charakterzügen und Meinungen über sich und die
Welt oder auch mehrere sein. Je nach Bestimmung können dann
auch nichtmenschliche Wesen Personen sein oder bestimmten
Menschen das Personsein fehlen.
Normalerweise werden der Person - im Gegensatz zum
Ding und zum Tier - ethische Verantwortung
für ihre Handlungen und persönliche Rechte
(Menschenrechte) zugeschrieben.
Kinder, schwachsinnige und senile
Individuen stellen definitorische
Problemfälle dar. Sie werden zuweilen nicht als Personen
aufgefaßt (z. B. inwiefern kann einem Kind
Willensfreiheit
zugeschrieben werden?), sondern als Quasi-Person (von
lat. quasi, gleichsam), d. h. Individuen, die keine Person
im vollgültigen Sinn sind, aber mit einer Person so vieles
gemeinsam haben, dass ihnen z. B. gewisse Rechte
und/oder Pflichten zukommen, die ansonsten der Person
vorbehalten bleiben.
Wo die Grenze zwischen Person, Quasi-Person und nicht-personalem
Seiendem gezogen werden muss, ist kontrovers (z. B.
wie ein Fötus einzuordnen
ist).
Im
Zusammenhang
mit der Diskussion in der Tierethik ist die Frage
aufgeworfen worden, ob auch Tiere (zumindeste einige Tiere)
Personen (oder wenigstenst Quasi-Personen) sein können.
Die Beantwortung der Frage wird natürlich von der Wahl einer
der hier diskutierten Definitionen ab.
Bestimmen wir das Personsein über das Selbstbewusstsein,
haben wir z. B. zu klären, ob es selbstbewusste Tiere
gibt usw.
Einige Philosophen (z. B. Scheler)
weiten den Begriff Person
auf überindividuelle Größen wie Gesellschaft und
Staat aus, sofern diese überindividuellen Entitäten
die Individuen benutzen, um zu einem Bewußtsein
von sich selbst zu kommen und kollektive
Handlungen auszuführen.
Diesen Philosophen zufolge ist es also möglich, dass
ein Volk kollektive Schuld auf sich lädt, obwohl nicht alle
Individuen an den schuldhaften Handlungen selber beteiligt waren.
Mit dem Begriff einer Person verbunden
ist das Problem der personalen Identität, d. h.
die Frage, wann wir zu verschiedenen Zeiten
und an verschiedenen Orten eine Person als dieselbe ansprechen
können.
Für Locke besteht
die Identität der Person nicht in der Einheit der
Substanz, sondern wird durch das Selbstbewusstsein
konstituiert, d. h. als Einheit der auf mich bezogenen
Vostellungen. Er definiert eine Person als
"ein denkendes intelligentes Wesen, das Vernunft und
Reflexion besitzt und sich als sich selbst denken kann, als
dasselbe denkende Etwas in verschiedenen Zeiten und an
verschiedenen Orten".
Kant verwendet Person sowohl
im Hinblick auf das Vermögen, sich seiner als
identisches Ich in verschiedenen Zuständen bewusst
zu sein als auch zur Kennzeichnung der moralischen
Qualität des Menschen. Vernünftige Wesen
werden Personen genannt, weil sie im Unterschied zu Sachen
und unvernünftigen Wesen von der Natur schon dadurch
ausgezeichnet sind, dass sie Zweck an sich selbst sind.
Die Autonomie
der Person ist Voraussetzung für die Existenz kategorischer
Imperative. Person sein kennzeichnet den Menschen als zur
Sittlichkeit fähiges Wesen:
"Person ist dasjenige Subjekt, dessen Handlungen einer
Zurechnung fähig sind. Die moralische Persönlichkeit
ist also nichts anders, als die Freiheit eines vernünftigen
Wesens unter moralischen Gesetzen ..., woraus dann folgt, dass
eine Person keinen anderen Gesetzen, als denen, die sie (entweder
allein, oder wenigstens zugleich mit anderen) sich selbst gibt,
unterworfen ist" [Kant, Metaphysik der Sitten, A 22]
Heute werden vorwiegend drei Ansätze bezüglich der
personalen Identität diskutiert:
- Nach dem Körperkriterium besteht die Identität
einer Person zu zwei Zeitpunkten in der Kontinuität
des Körpers während dieses Zeitraumes. Eine
Variante dieses Ansatz sieht die Kontinuität in der
Kontinuität des Gehirnes als eines Teiles des Körpers.
- Nach dem psychischen Kriterium lässt sich
die Kontinuität zwischen den psychischen Zuständen
zu verschiedenen Zeitpunkten auf die Erinnerung an
vergangene Erlebnisse
zurückführen. Ein Problem dieser
Position ist, dass wir uns an unser Babysein nicht
erinnern können und damit keine personale Identität
zwischen Baby und dem späteren Menschen besteht. Zusätzlich
sind einige Klimmzüge nötig, damit wir im
Schlaf nicht unsere personale Identität verlieren.
- Nach den nichtreduktiven Ansätzen ist die personale
Identität ein nicht reduzierbares Faktum, ein
ontologisches
Faktum (ein Ich, eine Seele), das weder
auf die Kontinuität eines Körpers noch auf
psychische Zustände zurüführbar ist.
Im Zusammenhang mit der In-Vitro-Fertilisation
sind einige neue Probleme der personalen Identität aufgetaucht.