Stoische Logik
Die Stoiker benutzten den Terminus
Logik zur
Bezeichnung einer Wissenschaft, die die Gesetze der Denktätigkeit
untersucht.
Die Logik wurde von den Stoikern als der erste Teil der Philosophie betrachtet,
als andere Teile sahen sie die Physik und die Ethik an. Ziel der Logik ist
es, den Verstand des Menschen
vor Irrtümern zu bewahren und Wege
und Wahrheitskriterien
zu finden.
Logik ist notwendig, um die Ethik zu wahren, für die die Physik die
Nahrung liefert.
Die Logik muss ihrer Ansicht nach nicht nur
Urteile, Begriffe und
Schlüsse untersuchen, sondern auch Wörter und Sätze, d. h.
die Grammatik.
Zur stoischen Logik gehörten zwei Gebiete: die Dialektik und die
Rhetorik. Die Dialektik ihrerseits wurde in Grammatik und
Erkenntnistheorie unterteilt. Deshalb wurde die Logik auch als die
Wissenschaft von den Zeichen
und dem von diesen Bezeichneten definiert.
Die Stoiker unterschieden zwischen Objekt, gedanklichem Abbild und
sprachlichen Zeichen. Sie führten erstmals Variable für ungegliederte
Aussagen ein und untersuchten die Beziehungen zwischen formalisierten
Aussageverbindungen. Die stoische Schule wurde damit zu einer frühen
Vorläuferin der modernen Aussagenlogik.
Die frühen Stoiker waren Sensualisten und
Nominalisten. Sie lehnten
die Existenz angeborener Ideen ab. Die Seele des Kindes sagten die
Stoiker, ist eine unbeschriebene, reine Tafel. Sie nahmen damit die
Idee der tabula rasa vorweg.
In der Welt der Einzeldinge gibt es nichts Allgemeines, das gibt es nur im
menschlichen Verstand. Begriffe entstehen aufgrund von
Empfindungen und Wahrnehmungen,
die durch Einwirkung der
Gegenstände auf die Sinnesorgane erhalten werden.
Empfindung ist nach Zenon von Kition
ein Abdruck, den die realen Dinge, indem sie auf die Sinnesorgane
der Menschen einwirken, in seiner Seele hinterlassen. Die in der
Empfindung erhaltenen Daten werden vom menschlichen Verstand
verarbeitet, der gleichsam Emanation (Ausfluß) des Weltlogos ist.
Wahrheitskriterium ist die Klarheit. Wenn etwas wahr ist, so ist
es so klar, dass jeder zustimmen muss Die Wahrheit
erfaßt gleichsam den erkennenden Menschen
(katalepsis).
Die primäre Wahrheit tritt in Form kataleptischer
Vorstellungen
auf.
Wie Aristoteles sahen die Stoiker
im Satz vom Widerspruch das Hauptprinzip des korrekten
Denkens. Die Stoiker kannten auch den Identitätssatz.
In der Urteilslehre nahmen die Stoiker im Unterschied zu Aristoteles
nicht das kategorische Urteil
als Ausgangsform, sondern das
bedingte Urteil, in dem zwei
Gedanken als Grund und Folge vereinigt werden. (Wenn es Nacht wird,
wird es dunkel). Alle Schlüsse führten sie auf fünf
elementare Modi des
bedingten Syllogismus und des
distributiven Syllogismus
zurück.
Ebenso wie Aristoteles verwendeten die Stoiker in der Logik Variable. Aber
während Aristoteles die Variablen, z. B. A, B, C zur Bezeichnung
des Ober-, Mittel- und Unterbegriffes des
Syllogismus benutzte, bezogen
die Stoiker eine erste und eine zweite Variable auf Aussagen.
Bei den Stoikern findet such die Idee der Axiomatisierung der Logik.
Die Stoiker erarbeiteten eine erste Theorie der materialen
Implikation als einer zweistelligen
Wahrheitswertfunktion. Sie
antizipierten die Regeln solcher logischer Operationen der modernen
Logik wie die Alternative und die Konjunktion.
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