PhilLex - Lexikon der Philosophie
   
Board-Icon Begriffe
a - Axiom
Badische Schule - Buridians Esel
C - covering-law model
Daimonion - Dysteleologie
e - externe Relation
fallacia - Für-Wahr-Halten
G43-Implikation - Gruppe, Berliner
Halbierungsparadoxie - Hysteresis
i - Isosthenie der Argumente
judicium
K - Kyrieuon
language of thought - Lust, sinnliche
M - Münchhausentrilemma
N - nyāya-Schule
o - Oxymoron
P - Pythagoreismus
Quadrat, logisches - Quodlibetarier
R - Russell's Antinomie
S - Szientismus
t. - twin earth
Übel - utraque praemissa ...
Vagheit - Vulgärmaterialismus
w - Würde
x - XYZ
Yager-Intersection - Yoga
Zadeh-1-Implikation - Zynismus
Board-Icon Diskussion
 PhilTalk Philosophieforen
Buch-Icon Andere Lexika
Buch-Iconphilosophenlexikon.de
Buch-IconLexikon der griechischen Mythologie
Buch-Icon PhiloThek
Buch-Icon Bibliothek der Klassiker
Buch-Icon Zeitschriftenlesesaal
Buch-Icon Nachschlagewerke
Info-Icon Allgemeine Information
Info-Icon Dokumentenlieferdienste
Spiele-Icon Spiele
  Philosophisches Galgenraten
WWW-Suche-Icon PhilSearch.de
Einkaufswagen-Icon Shops
Einkaufswagen-Icon PhiloShop
Einkaufswagen-Icon PhiloShirt
Board-Icon Service
  Philosophie-Zitate für Ihre HomePage
Board-Icon Kontakt
  Impressum
 eMail

Propositionales Wissen

Als propositionales Wissen (engl. propositional knowledge) oder Wissen-Daß (engl. knowledge that) bezeichnet man in der Erkenntnistheorie das Wissen, dass etwas der Fall ist, dass eine bestimmte Proposition wahr ist. Es ist vom Wissen-Von und vom Wissen-Wie zu unterscheiden.

Häufig wird geltend gemacht, dass echtes Wissen nur in einem Glauben bestehe, den man beweisen oder begründen könne. Das echte Wissen (auch: sicheres Wissen) haben die Griechen episteme genannt und von der bloßen Meinung, der doxa unterschieden.

Die philosophische Tradition unterscheidet drei Bedingungen für dafür, dass man sagen kann: A weiß, dass p

  1. A glaubt, dass p;
  2. p ist wahr;
  3. A kann seinen Glauben, dass p, rechtfertigen oder beweisen.

Wissen nach diesen Bestimmungen ist gerechtfertigter wahrer Glaube. Eine solche Auffassung vertraten z. B. Platon, Aristoteles, Descartes, die Empiristen, Kant, Husserl, Hartmann und Ingarden.

Gegen diese Bestimmung sind zahlreiche Einwände erhoben worden.

Einige Probleme ergeben sich aus dem unterstellten Begriff der Wahrheit. So sind einige Gegner, z. B. Dummett, der Auffassung, dass es nicht möglich ist, notwendige und hinreichende Bedingungen für wahres Wissen anzugeben.

Wird die notwendige epistemische Rechtfertigung z. B. stark gedeutet (der Beweis muß vorliegen), so kann man auf die Forderung nach Wahrheit verzichten, da die Wahrheit dann aus den beiden anderen Bedingungen folgt. Wird die Rechtfertigung schwächer interpretiert, ist diese Reduktion nicht möglich. Wenn man aber einen Beweis als Rechtfertigung verlangt, kommt unser intuitives Verständnis heraus, dass hier kein Wissen vorliegt.

Der Skeptizismus hat bezweifelt, dass es ein sicheres Wissen geben könne. Er man nämlich, dass man seinen Glauben nicht beweisen könne.

Wegen des Regresses der Rechtfertigungen wurde zwischen zwei Arten von Wissen-Daß unterschieden:

  1. das unmittelbare Wissen von grundlegenden Aussagen, ersten Prinzipien oder Axiomen, die keiner Rechtfertigung bedürfen.
  2. das mittelbare oder abgeleitete Wissen von Aussagen, die eine Rechtfertigung mittels der gundlegenden Aussagen, ersten Prinzipien oder Axiome erfordern.

Ein anderer Typ von Einwänden sind die von Edmund Gettier. In diesem Einwand wird aber nicht von der Beweisbarkeit, sondern nur von der Rechtfertigbarkeit in der dritten Bedingung ausgegangen.

Smith hat einen Freund namens Jones, von dem er weiß, dass er früher stets einen Ford besaß, und der ihm gerade, in einem Ford sitzend angeboten hat, ihn in einem Ford ein Stück mitzunehmen. Er glaubt daher gerechtfertigter Weise, dass Jones einen Ford besitzt. Smith hat einen weiteren Freund, nämlich Brown, dessen Aufenthaltsort ihm völlig unbekannt ist. Er schließt aber aus Jones besitzt einen Ford auf Jones besitzt einen Ford oder Brown ist in Barcelona und glaubt daher diese Aussage. Jones besitze jedoch keinen Ford, das Auto das er fährt, hat er gemietet, aber Brown sei tatsächlich in Barcelona. Weiß Smith nun, dass Jones einen Ford besitzt oder Brown in Barcelona ist? Intuitiv würden dies die meisten verneinen. Aber er glaubt diese Aussage, diese Aussage ist wahr und er hat Gründe dies zu glauben. Weil er es aus einem gerechtfertigten Glauben schließt [1].

Gettiers Beispiel zeigt, dass wir in der klassichen Wissensdefinition neue Bedingungen brauchen oder dass diese Bedingungen falsch sind.

Neben der Kritik am Wahrheitsbegriff und den Gettier-Beispielen gibt es eine umfangreiche Diskussion um den Begriff des Glaubens im Zusammenhang mit der Charakterisierung des Wissens. Insbesondere ist angegriffen worden, dass Propositionen das Objekt oder der Inhalt des Glaubens seien. Insbesondere hat Perry darauf verwiesen, dass Propositionen nicht Objekt des Glaubens sein könn, da bestimmtes Wissen nur durch indexikale Terme ausgedrückt werden kann [2]. Ähnlich argumentieren David Lewis [3] und Hector-Neri Castañeda [4].


[1] Gettier, E.: Is Justified True Belief Knowledge? Analysis 23 (1963), 121-123 (dt.: Gettier, E. L.: Ist gerechtfertigte, wahre Meinung Wissen? In: Analytische Philosophie der Erkenntnis (ed. Peter Bieri) Frankfurt a. Main 1987, 31994, 91-93)
[2] Perry, J.: The Problem of the Essential Indexical. Nous 13 (1979), 3 - 21
[3] Lewis, D.: Belief de Dicto and de Se. Philosophical Review 87(1979), 513 - 543
[4] Castañeda, H.-N.: Indicators und Quasi-Indicators. American Philosophical Quarterly 4(1967), 85 - 100

powered by Uwe Wiedemann