Propositionales Wissen
Als propositionales Wissen (engl. propositional knowledge) oder
Wissen-Daß (engl. knowledge that) bezeichnet man in der
Erkenntnistheorie das
Wissen, dass
etwas der Fall ist, dass eine bestimmte Proposition
wahr ist. Es ist vom
Wissen-Von
und vom Wissen-Wie zu unterscheiden.
Häufig wird geltend gemacht, dass
echtes Wissen nur in einem Glauben bestehe, den man beweisen
oder begründen könne. Das echte Wissen (auch: sicheres
Wissen) haben die Griechen episteme genannt und von
der bloßen Meinung, der doxa unterschieden.
Die philosophische Tradition unterscheidet drei Bedingungen
für dafür, dass man sagen kann:
A weiß, dass p
- A glaubt, dass p;
- p ist wahr;
- A kann seinen Glauben, dass p, rechtfertigen oder beweisen.
Wissen nach diesen Bestimmungen
ist gerechtfertigter wahrer Glaube. Eine solche Auffassung
vertraten z. B. Platon,
Aristoteles,
Descartes, die
Empiristen,
Kant,
Husserl,
Hartmann und
Ingarden.
Gegen diese Bestimmung sind zahlreiche Einwände erhoben worden.
Einige Probleme ergeben sich aus dem unterstellten Begriff der
Wahrheit. So sind einige Gegner, z. B.
Dummett, der Auffassung,
dass es nicht möglich ist, notwendige und hinreichende
Bedingungen für wahres Wissen anzugeben.
Wird die notwendige epistemische Rechtfertigung
z. B. stark gedeutet (der Beweis
muß vorliegen), so kann man auf die Forderung nach Wahrheit
verzichten, da die Wahrheit dann aus den beiden anderen
Bedingungen folgt. Wird die Rechtfertigung schwächer
interpretiert, ist diese Reduktion nicht möglich.
Wenn man aber einen Beweis als Rechtfertigung verlangt, kommt
unser intuitives Verständnis heraus, dass hier kein
Wissen vorliegt.
Der Skeptizismus hat
bezweifelt, dass es ein sicheres Wissen geben könne. Er
man nämlich, dass man seinen Glauben nicht beweisen
könne.
Wegen des
Regresses
der Rechtfertigungen wurde zwischen zwei Arten von Wissen-Daß
unterschieden:
- das unmittelbare Wissen von grundlegenden Aussagen, ersten Prinzipien
oder Axiomen, die keiner Rechtfertigung bedürfen.
- das mittelbare oder abgeleitete Wissen von
Aussagen, die eine Rechtfertigung mittels der gundlegenden
Aussagen, ersten Prinzipien oder Axiome erfordern.
Ein anderer Typ von Einwänden sind die von Edmund Gettier.
In diesem Einwand wird aber nicht von der Beweisbarkeit, sondern
nur von der Rechtfertigbarkeit in der dritten Bedingung
ausgegangen.
Smith hat einen Freund namens Jones, von dem er weiß,
dass er früher stets einen Ford besaß, und
der ihm gerade, in einem Ford sitzend angeboten hat, ihn in
einem Ford ein Stück mitzunehmen. Er glaubt daher
gerechtfertigter Weise, dass Jones einen Ford
besitzt. Smith hat einen weiteren Freund, nämlich Brown,
dessen Aufenthaltsort ihm völlig unbekannt ist. Er
schließt aber aus Jones besitzt einen Ford auf
Jones besitzt einen Ford oder Brown ist in Barcelona und
glaubt daher diese Aussage. Jones besitze jedoch keinen
Ford, das Auto das er fährt, hat er gemietet, aber
Brown sei tatsächlich in Barcelona. Weiß Smith
nun, dass Jones einen Ford besitzt oder
Brown in Barcelona ist? Intuitiv würden dies die meisten
verneinen. Aber er glaubt diese Aussage, diese Aussage ist
wahr und er hat Gründe dies zu glauben. Weil er es aus
einem gerechtfertigten Glauben schließt
[1].
Gettiers Beispiel zeigt, dass wir in der klassichen
Wissensdefinition neue Bedingungen brauchen oder dass
diese Bedingungen falsch sind.
Neben der Kritik am Wahrheitsbegriff und den Gettier-Beispielen
gibt es eine umfangreiche Diskussion um den Begriff des Glaubens
im Zusammenhang
mit der Charakterisierung des Wissens. Insbesondere
ist angegriffen worden, dass Propositionen das
Objekt oder
der Inhalt des Glaubens seien. Insbesondere hat Perry darauf verwiesen,
dass Propositionen nicht Objekt des Glaubens sein
könn, da bestimmtes Wissen nur durch indexikale Terme
ausgedrückt werden kann [2].
Ähnlich argumentieren David Lewis
[3]
und Hector-Neri Castañeda [4].
[1] Gettier, E.: Is Justified True
Belief Knowledge? Analysis 23 (1963), 121-123 (dt.:
Gettier, E. L.: Ist gerechtfertigte, wahre Meinung Wissen?
In: Analytische Philosophie der Erkenntnis (ed. Peter Bieri) Frankfurt a. Main
1987, 31994, 91-93)
[2] Perry, J.: The Problem of the Essential Indexical.
Nous 13 (1979), 3 - 21
[3] Lewis, D.: Belief de Dicto and de Se. Philosophical
Review 87(1979), 513 - 543
[4] Castañeda, H.-N.: Indicators und Quasi-Indicators.
American Philosophical Quarterly 4(1967), 85 - 100
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