Zeitlogik von Arthur N. Prior
Ich will hier einen Aussagenkalkül mit Zeitfunktoren
von Prior vorstellen.
Gegenstand dieser Logik ist der
philosophisch höchst
interessante Begriff der
Zeit.
Grundzeichen des Kalküls
sind neben den Aussagenvariablen p, q, r, ... die Funktoren N, C, A, K für die
klassischen Wahrheitswertfunktionen
Negation, Implikation, Alternative und Konjunktion sowie zwei
weitere einstellige Funktoren P als Vergangenheitsfunktor
und F als Zukunftsfunktor, mit denen z. B. ein Ausdruck
der Form P a als
»a
war in der Vergangenheit« und ein Ausdruck der Form Fa
als »a
wird in der Zukunft sein«.
Die ausdrücke des Kalküls werden in üblicher Weise unter
Verwendung der klammerfreien Schreibweise von
Łukasiewicz gebildet. Die Satzmenge
wird syntaktisch als Ableitungsmenge eines gewissen Axiomensystems gewonnen,
wobei die ableitbaren Ausdrücke als die zu jeder Zeit gültigen
Aussagenverbindungen aufgefaßt werden. Als Schlussregeln werden
verwendet:
- die Abtrennungsregel
- die Einsetzungsregel
- die Regel, dass mit dem einem Ausdruck
a stets
auch der Ausdruck NPNa ableitbar ist, und
- die Regel, dass mit einem Ausdruck stets auch der Ausdruck
NPNa ableitbar ist.
Dabei hat NPNa offenbar die
Bedeutung »es war niemals nicht a«,
d. h. »es war immer a«
und hat NFNa die Bedeutung »es wird
niemals nicht a sein«,
d.h. »es wird immer a sein«.
Neben den Axiomen des zweiwertigen
Aussagenkalküs verwendet Prior die folgenden
zeitlogischen Axiome:
- (1) CNFNCpCFpFq
- (2) CPNFNpp
- (3a) CFFpFp
- (3b) CPPpPp
- (4a) CFpFFp
- (4b) CPpPpp
- (5) CNFpFNp
- (6) CPFpAApFpPp
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